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JMK

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Titel

Der stumme Schrei

Originaltitel

The Silent Screem

Filmtyp

DVD

Herstellungsjahr

1984

Herkunftsländer

USA

Länge

00:28:16 (hh:mm:ss)

Sprachversion

dt.synchr.

Sprache Ton

Regie

Jack Dabner

DarstellerInnen

Dr. B. Nathanson

Verleiher

Privat

Inhalt

Dr. Bernard N. Nathanson (*31.7.1926) schloss 1949 sein Medizinstudium an der McGill Universität in Montreal ab. Danach praktizierte er zunächst als Allgemeinmediziner und spezialisierte sich schließlich auf Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Er gibt an, für mehr als 75.000 Abtreibungen verantwortlich zu sein. Als Gründungsmitglied von "NARAL Pro-Choice America" (National Association for the Repeal of Abortion Laws) kämpfte er unter anderem an der Seite der Feministin Betty Friedan für die Legalisierung von Abtreibungen. Mit der Entwicklung des Ultraschalls in den 1970er Jahren begann er umzudenken und wurde zu einem der entschiedensten Abtreibungsgegner bzw. Pro-Life-Befürworter.
Dem Film vorangestellt ist eine Warnung, dass er schockierendes Material enthält.
Nathanson fungiert in seinem Film sowohl als Erzähler als auch als medizinischer Experte. Seine Dokumentation aus dem Jahr 1984 zeigt den Prozess einer Abtreibung via Ultraschall. Nathanson zeigt anhand von Modellen, wie sich ein Fötus entwickelt. Er stellt auch die Instrumente vor, die bei einer Abtreibung verwendet werden. Weiters beschreibt er mit Hilfe von bewegten (unscharfen) Ultraschallbildern in Echtzeit (?), wie sich ein angeblich 12 Wochen alter Fötus gegen seine Abtreibung "wehrt" und ihr zu entkommen versucht. Dessen Herz schlägt dabei anscheinend immer schneller. Der Film kulminiert schließlich in dem "stummen Schrei" des Fötus, bei dem der Mund angeblich geöffnet ist, während er Schmerz und Unwohlsein "hinausschreit" (daher auch der Filmtitel). Letztendlich wird der Fötus "vernichtet", also "zerstückelt" (z.B. werden die Extremitäten ausgerissen), "zermalmt" und abgesaugt. Der Kopf, der in einer Art Geheimsprache zwischen Abtreibungsarzt/ärztin und Anästhesist/in angeblich als "Nummer 1" bezeichnet wird, muss laut Nathanson extra mit einer Geburtszange entfernt werden. In weiterer Folge spricht Nathanson noch über die Auswirkungen der "Abtreibungs-Industrie" und die davon profitierenden "kriminellen Organisationen". Ferner sind Bilder von traurigen Frauen, die auch als "Opfer" bezeichnet werden (als Gefahren bei Abtreibungen werden Gebärmutterpunktionen, Infektionen usw. genannt), sowie von zumeist kompletten Föten - die eigentlich nur von Fehlgeburten und nicht von Abtreibungen stammen können - zu sehen. Nathansons Conclusio ist, dass eine Nation wie die Vereinigten Staaten von Amerika, die Menschen auf den Mond gebracht hat, eigentlich bessere Lösungen für dieses Problem finden sollte (Aufruf: "Stop the Killing!").

Alterskennzeichnung

Besonders problematisch erschien dem JMK-Ausschuss, dass dieser Film tendenziös ist, also einseitig gegen Abtreibung Stimmung macht und daher nicht als aufklärerisch bezeichnet werden kann. Er arbeitet mit propagandistischen Mitteln und ist z.B. unsachlich, indem Nathanson heute teils überholte bzw. auch widerlegte, falsche oder auch nur halbrichtige wissenschaftliche und medizinische Fakten präsentiert - wie beispielsweise die Behauptung, dass fötale Gehirnströme ab der 6. Woche nachweisbar sind oder dass Föten in der 12. Woche bereits Schmerz empfinden können. Kinder und Jugendliche können auf Basis ihres Vorwissens und aufgrund der ihnen fehlenden Lebens- und Medienerfahrung die Informationen, die diese "Dokumentation" bietet, hinsichtlich ihrer inhaltlichen Korrektheit nicht ausreichend beurteilen. Sie werden auch den propagandistischen Zweck und die Einseitigkeit der Darstellung nicht durchschauen. Der Film erzeugt außerdem bewusst Schuldgefühle, indem theatralische Effekte (der aufs Publikum gerichtete Zeigefinger, die hochdramatische Musik während des "stummen Schreis" usw.) verwendet werden. Insofern wurde er auch als Angst machend beurteilt, da er in Bezug auf die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu Unsicherheiten und Irritationen führen könnte. Weiters werden Frauen, die eine (an sich legale) Abtreibung durchführen lassen, Abtreibungsärzt/innen sowie Abtreibungsbefürworter/innen kriminalisiert, indem z.B. die im Film erwähnten Abtreibungskliniken pauschal als kriminelle Organisationen bezeichnet werden.
Der Film bietet einige schockierende und belastende Bilder, die vor allem für Kinder eine Überforderung bis hin zur Traumatisierung darstellen können. Dazu zählen insbesondere die Aufnahmen von toten Föten (die vermutlich von Fehlgeburten und nicht von Abtreibungen stammen), die u. a. in Plastikkübeln (als "Müll"?) verwahrt werden. Auch der Todeskampf des Fötus, der in Echtzeit via Ultraschall beobachtet wird, ist nach Ausschuss-Meinung für Kinder nicht verkraftbar, insbesondere als der dazu gesprochene Kommentar zwar sehr technisch, andererseits aber auch sehr reißerisch ist.
Es bleibt zu hoffen, dass Pädagog/innen für den Aufklärungsunterricht objektiver gestaltete, distanziertere, sachlichere, modernere, aktuellere, informativere und kind- bzw. jugendgerechtere Materialien verwenden werden als diesen Film von 1984 (!), dessen Eignung zur Auseinandersetzung mit diesem heiklen Thema hinterfragt werden muss.
Aufgrund der zeitlichen (der Film ist 25 Jahre alt) und räumlichen (der Film bezieht sich auf die US-amerikanische Situation) Distanzierungsmöglichkeiten sowie der veralteten und daher mit einiger Medienerfahrung auch weniger wirkungsmächtigen Machart des Films entschied der JMK-Ausschuss knapp mehrheitlich auf "freigegeben ab 14 Jahren", die Minderheit votierte für "freigegeben ab 16 Jahren".

Positivkennzeichnung

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