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Titel

Der Knochenmann

Originaltitel

Der Knochenmann

Filmtyp

Langfilm

Herstellungsjahr

2009

Herkunftsländer

Österreich

Länge

02:06:31 (hh:mm:ss)

Sprachversion

deutsch

Sprache Ton

Regie

Wolfgang Murnberger

DarstellerInnen

Josef Hader (Brenner), Birgit Minichmayr (Birgit), Josef Bierbichler (Löschenkohl), Christoph Luser (Pauli), Simon Schwarz (Berti), Dorka Gryllus (Valeria), Pia Hierzegger (Alexandra Horvath), Stipe Erceg (Ivgeniew), Ivan Shvedoff (Igor), Edita Malovcic (Anna)

Verleiher

Luna Film

Inhalt

Verfilmung des gleichnamigen Romans (1997) von Wolf Haas, der gemeinsam mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller auch das Drehbuch geschrieben hat und den komplexen Roman für den Film angenehm vereinfacht hat. Der ehemalige Polizist Brenner holt für seinen Freund Leasingwägen von Leuten zurück, die mit ihren Raten im Rückstand sind. Auf der Suche nach einem gewissen Horvath verschlägt es ihn in das Wirtshaus Löschenkohl in der Steiermark, das berühmt für seine Backhendln ist. Die Hühnerreste werden in einer speziellen Mühle im Keller des Wirtshauses zu Hühnerfutter recycelt - ein "kannibalischer Kreislauf", wie Brenner findet. Geführt wird der Betrieb vom jungen, macht- und geldgierigen Sohn des alten Wirts, der aber tatsächlich das Sagen hat und dessen Schwiegertochter die Küche managt. Als der alte Wirt wegen eines Totschlags im Prostituiertenmilieu Bratislavas erpresst wird, tötet er den Erpresser und "entsorgt" die Leiche. Ebenso ergeht es dessen Partner und seiner Freundin. Brenner, der sich als Hausgast eingemietet hat, erkennt langsam die Zusammenhänge und kann in letzter Minute vor dem sicheren Tod gerettet werden, weil der Sohn seinen Vater ersticht. Eingebettet in die Handlung sind zwei Liebesgeschichten: eine Affäre Brenners mir der unglücklich verheirateten Wirtin und eine aufkeimende Liebe zwischen Brenners Freund und Horvath.

Alterskennzeichnung

Die tiefschwarze Handlung, die sich in ihrer Drastik dem Horrorfilm nähert, bietet etliches Jugendschutzrelevantes. Früh kommt mit dem Totschlag im Prostituiertenmilieu Gewalt ins Spiel, die neue Gewalt gebiert: der Mord am Erpresser; die Beseitigung dessen Freundes, der wie ein Schwein am Haken aufgehängt wird; die brutal-kalte Tötung der Begleiterin, die in ihrem Unfallwagen in einem Bach ertränkt wird; der Mordversuch an Brenner; und nicht zuletzt möglicher Kannibalismus. Wenn auch "nur" die tatsächlich Bösen getötet werden, ist es gewiss keine schöne Geschichte, aber sie wird mit einem rabenschwarzen Humor inszeniert, in dem Lachen, Erschrecken und Rührung ineinander übergehen. Die Brechung kommt dem Unterhaltungsfaktor entgegen, weil so die blutige Tragödie entschärft wird und Distanzierungsmöglichkeiten geboten werden; die grotesken Elemente lindern das Unerträgliche immer wieder. Ältere Jugendliche sollten aufgrund ihrer Medienerfahrung mit diesem dramaturgischen Konzept umgehen können, die Kommission empfiehlt daher eine Freigabe ab 14 Jahren.

Positivkennzeichnung

Als "Ödland-Krimi" könnte man diesen Film bezeichnen, denn er erzählt Geschichten von Menschen, die davon träumen, die Öde der Provinz zu verlassen und die doch nicht weg können (befreiend ruft Brenner auf der Rückreise bei einer Autopanne in der Autohölle der Wiener Tangente aus: "Endlich in der Stadt"). Der Film inszeniert seine denkwürdigen Charaktere im Dauerclinch mit ihrer Umgebung, in der sie einerseits bedrängende Nähe und dann doch wieder das Gefühl des Alleingelassenseins verspüren. So setzt der Wunsch des alten Wirts nach menschlicher Nähe eine blutige Tragödie in Gang. "Es wäre überhaupt nichts passiert ohne die Liebe", kommentiert Brenner. Fast möchte man Mitleid mit dem unglücklichen Wirt haben, der durch das dumme Verhalten der anderen zum Massakrieren und Leichenbeseitigen gezwungen wird. Aber da lauert auch im Hintergrund die Geld- und Machtgier, verkörpert durch den jungen Wirt, der am Ende der große Verlierer ist. Der Film, der zeigt, wie harmlos sich das Abgründige gibt und wie unschuldig das Bösartige daherkommt (das beherrscht das österreichische Kino meisterhaft!), lebt atmosphärisch von seinen brillant-authentischen Dialogen und dem exzellenten Schauspielerensemble. Die formale Qualität der Inszenierung bewog die Kommission zur Entscheidung: empfehlenswert als Thriller ab 16 Jahren.


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