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Titel

Ben X

Originaltitel

Ben X

Filmtyp

Langfilm

Herstellungsjahr

2007

Herkunftsländer

Belgien, Niederlande

Länge

01:33:52 (hh:mm:ss)

Sprachversion

dt.synchr.

Sprache Ton

Regie

Nic Balthazar

DarstellerInnen

Greg Timmermans (Ben), Laura Verlinden (Scarlite), Marijke Pinoy (Bens Mutter), Pol Goossen (Bens Vater), Titus De Voogdt (Bogaert), Maarten Claeyssens (Desmet)

Verleiher

Filmladen

Inhalt

In der Früh spielt Ben jeden Tag von 5:45 bis 6:33 Uhr das Online-Rollenspiel "Archlord". Nur in dieser virtuellen Welt, in der Ben zum großen und starken Ritter "Ben X" wird, fühlt er sich sicher. Er hat mit Level 80 bereits ein ziemlich hohes Niveau erreicht und außerdem in der schönen "Scarlite" eine treue Gefährtin gefunden. Im richtigen Leben leidet Ben seit seiner Kindheit unter dem Asperger-Syndrom, das als leichte Form des Autismus gilt und das es ihm schwer macht, soziale Codes wie z.B. ein Lächeln richtig zu entschlüsseln. In der wirklichen Welt kann er seinen Charakter nicht wie im Spiel je nach Wunsch kreieren, dort ist er weder stark noch angesehen. Da er die Regeln der "normalen" Welt nicht erfassen und sich seiner Umwelt auch kaum verständlich machen kann, wird er insbesondere von seinen Schulkollegen Bogaert und Desmet ständig erniedrigt und gequält. Als der Leidensdruck nach der Veröffentlichung eines in "Happy Slapping"-Manier gestalteten Handy-Videos von ihm im Internet unerträglich wird, will Ben mit allem Schluss machen - "Endgame". Seine virtuelle Gefährtin "Scarlite" aus dem Online-Rollenspiel kontaktiert ihn, um ihm zu helfen.

Alterskennzeichnung

Durch seine Nähe zum Alltag von Jugendlichen, die möglicherweise auch selbst schon Opfer von Mobbing geworden sind, sowie aufgrund seiner Themen (Mobbing als Form von Gewalt, Autismus auch als Metapher für andere Außenseiter-Situationen, die teilweise große Hilflosigkeit der Erwachsenen, Rache u. ä.) wirkt der Film natürlich belastend. Der Regisseur lässt sein Publikum auch lange auf eine positive Auflösung und damit eine Entlastung warten, als die Hauptfigur den Wunsch äußert, sich das Leben nehmen zu wollen, und sich ihr dazu auch mehrere Gelegenheiten bieten. Es wirkt außerdem lange so, als würde die Familie den Suizid-Gedanken unterstützen. Andererseits macht der Film auch Mut, sich nicht einfach nur in sein Schicksal zu ergeben und dürfte insofern bestärkend auf Jugendliche wirken ("freigegeben ab 12 Jahren").

Positivkennzeichnung

Nic Balthazar verfilmte sein eigenes Jugendbuch "Nichts war alles, was er sagte" (2002) bzw. sein Theaterstück "Nichts", das auf dem authentischen Fall eines 17-jährigen Autisten beruht, der durch Mobbing in den Selbstmord getrieben wurde. Der sowohl künstlerisch (der Film hat auf zahlreichen Filmfestivals Preise erhalten) als auch finanziell erfolgreichste flämische Kinofilm der letzten Jahre ist eine faszinierende Mischung aus realem Spielfilm, dokumentarisch inszenierten Interview-Sequenzen (z.B. mit Bens Eltern) sowie Ausschnitten aus dem tatsächlich existierenden Online-Rollenspiel "Archlord". Durch Bens Off-Kommentar werden die Perspektive der autistischen Hauptfigur, ihre Wahrnehmungen und ihre Gefühlswelt eindrucksvoll vermittelt und gleichzeitig wird hinterfragt, was allgemein als "normal" gilt. Wie die Gesellschaft auf Bens Anderssein, auf seine Verstöße gegen die Norm reagiert und was diese Reaktionen bei ihm auslösen, regt zum Nachdenken an. Dadurch wird es für die Zuseher/innen möglich, Verständnis für Bens Situation (bzw. die anderer Benachteiligter) zu entwickeln, wobei ganz wichtig ist zu betonen, dass der Regisseur seine Figur liebevoll und nicht mitleidig betrachtet. Mobbing als Form von Gewalt, das Überwinden von Vorurteilen, das Fehlen der Fähigkeit zur Empathie in der heutigen Gesellschaft, Gefühle der Ohnmacht und sogar Rache-Fantasien werden hier ebenso thematisiert wie die Chancen, die Computerspiele - die oft nur als "gefährdend" abqualifiziert werden - auch bieten können. Indem Ben am Ende mit Hilfe seiner Familie einen radikalen Ausweg aus seiner Lage findet, macht der Film Mut nicht aufzugeben, sondern sich trotz widrigster Umstände zu behaupten. Als moderne Variante der Passion Christi inszeniert, funktioniert der Film hervorragend als Fabel und ethische Mahnung, die ästhetisch einiges wagt. Formal in Bild, Schnitt und Ton bestechender wie inhaltlich beeindruckender, jugendaffiner Debütfilm mit großartigen schauspielerischen Leistungen, der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt, was ihn natürlich auch aus medienpädagogischer Sicht besonders interessant macht ("sehr empfehlenswert als Jugendfilm ab 12 Jahren").



Hinweis:
Informationen für Pädagog/innen:
- Kino & Curriculum: http://www.film-kultur.de/curri.html#benx
- Filmtipp von Vision Kino:
http://www.visionkino.de/WebObjects/VisionKino.woa/wa/CMSshow/1110502


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