Filmdatenbank der Jugendmedienkommission (JMK)

Details zu einem Film

Titel: Was werden die Leute sagen

Originaltitel: Hva vil folk si
Filmtyp: Langfilm
Herstellungsjahr: 2017
Herkunftsländer: Deutschland, Norwegen, Schweden
Länge: 01:47:12 (hh:mm:ss)
Sprachversion: dt. synchr., tlw. OmU
Sprache Ton: Norwegisch
Regie: Iram Haq
DarstellerInnen: Maria Mozhdah (Nisha), Adil Hussain (Mirza), Ekavali Khanna (Mutter Najma), Rohit Saraf (Amir), Ali Arfan (Asif), Sheeba Chaddha (Tante), Jannat Zubair Rahmani (Salima), Lalit Parimoott (Onkel), Nokokure Dahl (Emily), Isak Lie Harr (Daniel), Freddy Singh (Adnaan / Majeed), Trine Wiggen (Sozialarbeiterin), Sara Khorami (Sozialarbeiterin), Maria Bock (Sozialarbeiterin)
Verleiher: Filmcasino & Polyfilm Betriebs GmbH

Inhalt: Die 15-jährige Nisha stammt ursprünglich aus Pakistan und lebt mit ihrer Familie in Norwegen. Sie führt ein Doppelleben und passt sich zu Hause den traditionellen Vorstellungen ihrer Eltern an. Doch in der Schule und mit ihren Freunden ist sie ein modernes junges Mädchen wie alle anderen. Als sie ihre erste Liebe Daniel mit nach Hause in ihr Zimmer nimmt, erwischt sie ihr Vater beim Austausch von Zärtlichkeiten. Er schlägt Daniel zusammen und Nisha wird gegen ihren Willen nach Pakistan zu Verwandten verschleppt. Dort steht sie unter strenger Kontrolle ihrer Tante und ihres Onkels, die ihr die Einflüsse der westlichen Kultur wieder austreiben sollen. Nisha versucht zu fliehen, doch schließlich findet sie sich in ihr Schicksal und lernt auch das Land und seine Kultur besser zu verstehen. Als sie sich jedoch in ihren Cousin Asif verliebt, eskaliert die Situation abermals …

Alterskennzeichnung: Der Film mit autobiografischen Zügen schildert die bedrückende Geschichte eines pakistanischen Mädchens, hin- und hergerissen zwischen zwei gegensätzlichen Kulturen. Nisha erlebt zuerst liebevolle Geborgenheit innerhalb ihrer Familie, als sie aber wegen einer Beziehung zu einem Burschen bei den Eltern in Ungnade fällt, erfährt sie schockierende Gewalt. Für ein ganz junges Publikum ist der Film nicht geeignet, das gewalttätige Verhalten von Nishas Eltern gegenüber ihrer eigenen Tochter könnte eine nachhaltige Verstörung auslösen. Auch einige drastische Szenen, ein Bursch wird niedergeschlagen und wiederkehrende körperliche Attacken gegen das junge Mädchen, sind zu sehen. Das Mädchen wird von der eigenen Familie verschleppt und eingesperrt, um ihren Willen zu brechen. Korrupte Polizisten zwingen Nisha sich auszuziehen und liefern sie einer extrem demütigenden und traumatisierenden Situation aus. Der Vater fordert sie zum Suizid auf und spuckt sie an und die Mutter wünschte, Nisha wäre tot geboren worden.
Die Kommission entschied sich nach längerer Diskussion mit knapper Mehrheit für eine Freigabeempfehlung ab 12 Jahren, da ab diesem Alter die realitätsnahen Inhalte verarbeitet werden können, ohne eine nachhaltige emotionale Verstörung auszulösen.
Empfehlenswert wäre allerdings, den Film in Begleitung von Erwachsenen bzw. im schulischen Kontext mit der anschließenden Möglichkeit zur Diskussion und Reflexion zu sichten!

Positivkennzeichnung: Die norwegische Regisseurin mit pakistanischen Wurzeln greift in ihrem Film auf eigene Erlebnisse in der Jugend zurück und schildert authentisch die Probleme von jungen Frauen, die in einem von westlicher Kultur geprägten Land aufwachsen und zwischen den familiären Traditionen und dem persönlichen Freiheitsdrang aufgerieben werden. Solange das junge Mädchen den Schein wahren kann und sich innerhalb der Familie angepasst und „anständig“ verhält, verläuft ihr Leben friedlich und glücklich. Ihre Individualität und ihren Wunsch nach Freiheit lebt sie außerhalb der Familie, in der Schule und mit ihren Freunden aus. Doch als sie die Familie scheinbar entehrt, ändern sich die Spielregeln und Nisha erfährt auf tragische Art und Weise, dass die Kluft zwischen Tradition und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit schier unüberbrückbar zu sein scheint. Die einzelnen Charaktere im Film werden sehr differenziert dargestellt, es gibt kein Gut-und-Böse-Schema und der Hauptfokus liegt auf den Schwierigkeiten, die viele Teenager mit einem traditionellen patriarchalischen Migrationshintergrund haben. „Ist der Wunsch nach Selbstbestimmungsrecht und Freiheit mit den kulturellen Wurzeln vereinbar?“ „Welche Konsequenzen hat eine sogenannte ,Entehrung‘ für die Familie und wie geht diese mit dem sozialen Druck innerhalb ihrer Community um?“ Der Film bietet viele Diskussionsmöglichkeiten, ganz besonders auch im Hinblick darauf, dass in vielen Schulen Österreichs Jugendliche mit Migrationshintergrund zu finden sind. Die Kommission war sich einig, den Film als „empfehlenswert ab 14 Jahren als kulturelles Emanzipationsdrama“ hervorzuheben.
Anmerkung: Begleitmaterial mit vielen Hintergrundinformationen und Diskussionsanlässen findet man unter: https://tinyurl.com/y8a7kcyp

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